Darf ich Lemminge alleine halten?

Steppenlemminge eignen sich NICHT für die Einzelhaltung, wie einige Hamsterarten. Sie sollten grundsätzlich zu zweit oder in der Gruppe gehalten werden um ihr Sozialverhalten ausleben zu können. Lemminge putzen sich, schlafen und kuscheln gemeinsam, ziehen den Nachwuchs zusammen groß, laufen gerne gemeinsam Laufrad und unternehmen andere Aktivitäten. Die Gruppe schafft ihnen Sicherheit, Abwechslung und Sozialkontakte. In der Natur leben Lemminge ebenfalls nicht als Einzelgänger sondern im sozialen Gefüge.

Wer passt zu wem?

Im Idealfall ist dazu zu raten, ein kastriertes Männchen mit einem Weibchen zu halten, denn diese Kombination ist im Schnitt deutlich stabiler als andere Zusammenstellungen der Gruppe. Auch zwei Weibchen können klappen, besonders wenn sie zusammen aufgewachsen sind. Aber nicht immer ist diese Kombination über längere Zeit stabil. Nur in Einzelfällen sind zwei Männchen zusammen harmonisch, die meisten Männchengruppen sind als Jungtiere sehr innig und zerbeißen sich mit einigen Monaten, wenn sie in die Pubertät kommen. Oft kommt es zu schweren, oder sogar tödlichen Verletzungen.

Wer eine Gruppe halten möchte, sollte sich für eine reine Weibchengruppe oder (noch besser) einen Harem, also ein kastriertes Männchen mit mehreren Weibchen, entscheiden. Die Haltung von mehr als zwei Lemmingen ist für Anfänger nicht zu empfehlen, außer die Gruppe wird bereits sehr stabil übernommen.

Wenn zwei oder mehr harmonische Lemminge gehalten werden, sollten keine weiteren hinzu gesellt werden, da dann nicht selten die ganze Gruppe zerbricht.

Kastration?

Leider schrecken immer noch viel zu viele Halter vor den Kosten und Risiken einer Kastration zurück.

Die Kastration beim Lemming ist einfach und risikoarm, denn die Hoden sind außenliegend, so dass nicht der Bauchraum geöffnet werden muss. Es reicht ein kleiner Schnitt in den Hodensack aus, um die Hoden zu erreichen. Eine Gasnarkose ist für Lemminge gut verträglich. Fragen Sie bei den umliegenden Tierärzten, ob sie bereits Farbmäuse kastriert haben, denn die Lemmingkastration ist identisch mit der von Mäusen und Farbmäuse bzw, deren Kastration ist verbreitet in deutschen Tierarztpraxen.

Eine Lemming-Kastration kostet zwischen 45 und 60 Euro, diese Investition lohnt sich, wenn man bedenkt, dass zerstrittene gleichgeschlechtliche Gruppen meist deutlich mehr Aufwand und Kosten verursachen bzw. dann mitunter gleich zwei Kastrationen und Aquarien nötig sind.

Wie gewöhne ich Lemminge aneinander?

Es ist nicht ganz einfach, Lemminge aneinander zu gewöhnen, deshalb sollten Vergesellschaftungen vermieden werden, das heißt, nur wenn ein Einzeltier vorhanden ist, wird vergesellschaftet. Bestehende Gruppen sollten nicht miteinander vergesellschaftet werden, denn dann besteht die Gefahr, dass sie auseinanderfallen und der Halter viele Einzeltiere hat.

Es gibt unterschiedliche Vergesellschaftungsmethoden, die je nach Fall unterschiedlich gut geeignet sind und hier vorgestellt werden sollen. Oft ist es auch ideal, mehrere Methoden miteinander zu kombinieren.

Niemals sollten Lemminge einfach zum vorhandenen Lemming ins Gehege gesetzt werden, das geht nur selten gut und kann zu starken Verletzungen führen. Der vorhandene Lemming verteidigt oft sein Revier.

Neutrale Vergesellschaftung außerhalb des Revieres

Dies ist die schönste Vergesellschaftungsform, da sie am natürlichsten ist. Die Lemminge werden zeitgleich in eine völlig fremde Umgebung gesetzt, das kann eine Badewanne, ein neues Aquarium oder eine große SAMLA Box von IKEA bzw. eine Ähnliche Plastikkiste aus dem Baumarkt sein. Ideal ist die Vergesellschaftungs-Methode für Pärchen, Jungtiere und wenn ein junges Tier zu einem älteren dazu gesetzt wird. Wie groß der neutrale Ort sein sollte, darüber streiten sich die Experten. Einige empfehlen eine möglichst große Fläche damit sie sich mehr aus dem Weg gehen können und die Vergesellschaftung harmloser verläuft, andere eine kleine Fläche, damit die Steppenlemminge schneller ihre Rangordnung klären und sich nicht zu sehr aus dem Weg gehen bzw. keine Reviere bilden. Die Unterkunft sollte mit wenig Einstreu ausgestattet sein, denn in Tiefstreu entstehen oft Sackgassen. Außerdem sollte die Einrichtung erst einmal weg gelassen werden, ein Futter- und ein Wassernapf reichen völlig aus. Laufräder, Häuschen und Röhren sind oft Sackgassen und können daher zu Verletzungen führen.

In den ersten Stunden muss der Halter die Tiere im Auge behalten, am besten setzt man sie zu einer Tageszeit zusammen, zu der sie wenig aktiv sind. Zurück in das eigentliche Gehege können sie ziehen, sobald sie eine Weile miteinander gekuschelt haben. Dann sollte allerdings die Einstreu aus dem Vergesellschaftungsgehege mit umziehen (gewohnter Gruppenduft) und nur langsam frische Streu dazu gemischt werden. Nach und nach können dann auch Einrichtungs-Gegenstände aufgestellt werden. Viele Halter empfehlen, erst einmal einen kleineren Gehegbereich abzutrennen und das Gehege schrittweise zu vergrößern.

Trenngitter-Methode

Diese Methode hat den Vorteil, dass die Tiere sich erst einmal nicht direkt begegnen und ist deshalb besonders für Angsttiere (Tiere die zuvor zerbissen wurden oder allgemein ängstlich auf Artgenossen reagieren), aggressive Lemminge, Tiere bei denen eine andere Vergesellschaftungsform gescheitert ist und ältere Steppenlemminge geeignet.

Für diese Vergesellschaftungs-Form wird ein kleinere Aquarium benötigt, das in der Mitte mit einem Trenngitter getrennt wird. Größere Aquarien können mittels zweiten Trenngitter verkleinert werden.

Das Trenngitter wird gebaut, indem ein Rahmen aus Holz beidseitig mit engen Volierendraht (ca. 6mm) bezogen wird. Einseitiger Volierendraht ist nicht zu empfehlen, da sich die Tiere (je nach Gitterbatsänden) durch das Gitter beißen können. Beide Seiten sollten wie vollständige Lemmingheime eingerichtet werden (Laufrad, Unterschlüpfe, Futter- und Wassernapf, Sandbad…). Das Laufrad hilft den Lemmingen, den Stress, der durch die Nähe des fremden Tieres entsteht, abzubauen. Die Einstreu sollte her flach sein, aber trotzdem so, dass sich die Lemminge verkriechen können. Auf jede Seite wird ein Lemming untergebracht. Etwa täglich sollten die Seiten gewechselt werden, so dass die Lemminge beide Bereiche kennen lernen und sich an den Geruch des anderen Lemmings gewöhnen. Die Vergesellschaftungsform funktioniert nur, wenn die Tiere über mehreren Wochen oder sogar Monate die Seiten täglich wechseln. Am Anfang bauen die Steppenlemminge oft Aggressionen am Gitter auf oder zeigen Interesse am Nachbarn, das legt sich mit der Zeit. Irgendwann ist es selbstverständlich, dass der andere Lemming im Aquarium mitlebt. Werden die Lemminge zu früh zusammen gesetzt, sind sie meist extrem aggressiv und die Vergesellschaftung scheitert. Wenn die Lemminge sich wirklich aneinander gewöhnt haben und die Nester des anderen lemmings nutzen, dürfen sie mittels neutraler Vergesellschaftung oder Stress-Vergesellschaftung aufeinander treffen. Dabei sollte dann die Streu aus beiden Bereichen mit umgezogen und verwendet werden.

Stress-Vergesellschaftung

Diese Vergesellschaftung funktioniert , weil Lemminge bei starken Stress sich zusammen kuscheln und Streitigkeiten oftmals vergessen. Allerdings setzt sie die Lemminge unter erheblichen Stress, deshalb ist sie nicht unbedingt schonend und artgerecht. Oft kann es sinnvoll sein, sie mit anderen Methoden zu mischen und die Lemminge dazwischen immer wieder für 1-2 Stunden in eine Panik-Box zu setzen. Bei der Panikbox wird ein recht kleines Gefäß, z.B. eine Transportbox oder ein hohes Gefäß verwendet. Die Lemminge werden dort zeitgleich rein gesetzt. Entweder wird wenig Einstreu hinein gegeben, oder die Lemminge werden auf den blanken Boden gesetzt (das verursacht noch mehr Stress). Das Futter kann in der Box verstreut werden, Frischfutter ist vorübergehend als Wasserquelle geeignet. Ungeeignet für diese Vergesellschaftungsform sind Lemminge die zueinander aggressiv sind, deshalb sollte zu jeder Zeit sofort eingegriffen werden können. Falls sich die Lemminge richtig beißen oder Dauerjagen (Jagereien in begrenzten Maße und Aufsteigen, ineinander verkneueln ist normal), müssen sie getrennt werden. Sollten die Lemminge innig kuscheln, können sie nach einigen Stunden harmonischen Zusammenseins in einen neutralen Bereich gesetzt werden.

Ab wann sollte man eingreifen/trennen?

Folgende Anzeichen sollten dazu führen, dass man „dazwischen geht“:

Niemals mit der blosen Hand, immer mit einem weichen Gegenstand.

– Die Lemminge „rollen“ wie ein Kneuel und lassen nicht mehr los, nach etwa 6-7 Sekunden sollte eingegriffen werden.

– Die Lemminge beißen sich und der Gebissene kann nicht fliehen weil er in einer Sackgasse ist oder nicht von den Zähnen los kommt (solche Lemminge kreischen oft).

In diesen Fällen muss die Vergesellschaftung abgebrochen werden:

– Ein Lemming baut stark ab, nimmt Gewicht ab, wirkt kleiner als vorher bzw. als die anderen und ist mager.

– Ein Tier hat stärkere Bisswunden (keine Kratzer)

– Ein Lemming hat struppiges, krank aussehendes Fell.

– Ein Steppenlemming wird stark gejagt (nicht kurzes Jagen, das ist normal), kreischt dabei und kommt über einen längeren Zeitraum kaum zur Ruhe.

– Die Lemminge haben Reviere gebildet, das ist daran zu erkennen, dass sie getrennte Baue haben, oft hat das ausgestoßene Tier ein Bau in der „letzten“ Ecke während das überlegene Tier den Rest beansprucht.

In diesen Fällen sollten die Tiere erst einmal separat in vollständig eingerichteten Aquarien gehalten werden, um sich zu erholen und anschließend mit einer anderen Methode neu vergesellschaftet werden. Oder es wird ein anderer, besser passender Partner gesucht.

Gescheiterte Vergesellschaftung? Was tun?

Wenn eine Gruppe auseinander bricht, oder eine Vergesellschaftung nicht klappt, muss möglichst schnell eine Alternative her. Das ist nicht immer einfach. Die Lemminge sollten zu allererst getrennt aber gut eingerichtet untergebracht werden. Als Notunterkunft sind im Notfall auch die Größten SAMLA Boxen von IKEA geeignet. Bisswunden werden am besten mit Wund-Desinfektionsspray behandelt und die Lemminge genau von oben bis unten kontrolliert. Sollten sie Krankheitszeichen oder Verletzungen haben, muss ein Tierarzt aufgesucht werden. Lemminge sind jedoch recht zäh, auch bei größeren Wunden erholen sie sich meist problemlos. Wenn die Zusammenführung nicht geklappt hat, sollten nach etwa zwei Wochen Erholungszeit neue Vergesellschaftungen statt finden, entweder mit dem gleichen Tier, oder in neuer Zusammensetzung.

Wer passt am besten zu Einzeltieren?

Einzelnes Männchen: Einsame Männchen sollten am besten kastriert werden und nach sechs Wochen Kastrationsquarantäne (so lange sind sie zeugungsfähig) mit einem Weibchen vergesellschaftet werden. Von einer Vergesellschaftungen mit anderen Männchen kann man fast pauschal abraten, nur wirkliche Ausnahmen funktionieren. Am ehesten klappt es noch mit einem Jungtier zwischen acht und zwölf Wochen, aber auch das geht oft schief.

Einzelnes Weibchen: Für ein allein lebendes Weibchen eignet sich am besten ein kastr. Männchen, diese Kombination ist meist recht problemlos und stabil zu halten. Die Vergesellschaftung mit einem anderen Weibchen funktioniert in manchen Fällen, besonders wenn mit einem Jungtier vergesellschaftet wird.