Ernährung

Lemminghausen

Der Lemmingratgeber für die naturnahe Lemminghaltung, Ernährung und Pflege.

Ernährung

Was fressen Lemminge in der Natur?

Der Steppenlemming ist ein Pflanzenfresser (Folivore), der sich besonders auf die Verwertung oberirdischer Pflanzenteile spezialisiert hat. Lemminge verzehren besonders gerne Gräser, Kräuter, Moos und Flechten, aber auch Wurzeln, Knollen, Pflanzensamen und Zwiebelgewächse. Gelegentlich werden kleine Insekten verspeist. In den Sommermonaten fressen die posierlichen Nager nur bestimmte Pflanzenteile, die sie gezielt auswählen (selektieren). Im Durchschnitt nehmen sie im Sommer täglich um die 10g Nahrung auf.

Weitere Infos zur Nahrungsaufnahme in der Natur: Expedition Lemmingfutter

Es reicht völlig aus, das Futter der Steppenlemminge nur ein- bis zweimal täglich zu kontrollieren, sofern immer so viel gefüttert wird, dass die Menge bis zur nächsten Mahlzeit reicht. Außerdem sollte altes Frischfutter entfernt werden, damit sich kein Schimmel und keine Fäule bildet.

Lemminge fressen in der Natur alle paar Stunden, ihr Stoffwechsel ist auf eine stetige und gleichmäßige Nahrungszufuhr angewiesen.

Lemminge, die durchgehend viele Futtersorten angeboten bekommen, legen deutlich weniger Vorräte in ihren Bauten als rationiert gefütterte Tiere an.

Die Futter-Bestandteile

Grünfutter

Grüne, blättrige Pflanzen bilden für Lemminge das Hauptfutter und sollte durchgehend zur Verfügung stehen.

In den Sommermonaten bietet sich die Verfütterung von Wildpflanzen an, dazu gehört der Löwenzahn, alle Gräser, Spitz- und Breitwegerich, Klee, Ampfer, Vogelmiere, Gänseblümchen und viele andere Pflanzen. Auch Baumblätter sind im Lemming-Gehege eine beliebte Abwechslung.

Ergänzend kann auf Blattgemüse (Kohlblätter, Karottengrün, Salate, Spinat usw.) und Küchenkräuter zurück gegriffen werden, diese stehen auch im Winter als Grünfutter zur Verfügung. Eine abwechslungsreiche Grünfütterung ist entscheidend für die Lemming-Gesundheit.

Begrünung des Geheges

Neben der täglichen Grünfuttergabe lassen sich Grünpflanzen auch hervorragend im Lemminggehege integrieren. In kleineren Töpfen können ausgegrabene Grasbüschel oder andere ungiftige Wildpflanzen angepflanzt werden. Natürlich eignen sich auch Kräuter, Gräser oder Ähnliches zur Ansaat. Im Zoohandell werden Golliwoog und andere Futterpflanzen in Töpfen angeboten, im normalen Supermarkt finden sich Kräutertöpfe. Auch wenige Zimmerpflanzen, z.B. Grünlilien, sind zur Gehege-Begrünung geeignet. Moos kann frisch oder getrocknet im Gehege ausgelegt werden.

Zweige, Blätter & Knospen

Auch Zweige und Blätter von Obstbäumen, Nussbäumen und anderen einheimischen Laubbäumen dürfen im Gehege angeboten werden. Nadelbaumzweige sind als immergrüne Äste besonders im Winter ein schöner Gehegeschmuck, allerdings sollte ausgeschlossen sein, dass es sich um eine Eibe (hoch giftig!) handelt. Nadelbaumzweige werden kaum gefressen.

Gemüse

Neben dem Grünfutter kann täglich weiteres Frischfutter angeboten werden. Die Lemminge freuen sich über eine bunte Auswahl an Gemüse. Probieren Sie aus, welche Gemüsesorten Ihre Lemminge am liebsten fressen.

Trockenfutter

Die meisten Trockenfutter aus dem Handel sind für Steppenlemminge völlig ungeeignet, auch wenn sie für Zwerghamster oder Steppenlemminge verkauft werden. Am besten eignet sich eine einfache Mischung, die jeder selber herstellen kann.

Saaten sollten nicht überlagert sein (Mindesthaltbarkeit beachten) und auch nicht mit Zusatzstoffen versehen.

 

Obst und Früchte

In recht kleinen Mengen darf auch Obst angeboten werden. Steppenlemminge fressen Obst nur ergänzend.

Keimfutter

Eine vitamin- und nährstoffreiche Abwechslung stellen angekeimte Saaten, das sogenannte Keimfutter, dar. Im Zoohandel wird Keimfutter für Wellensittiche angeboten, alternativ können auch andere Saaten verwendet werden. Ideal ist es, die Saaten im Keimglas ankeimen zu lassen, diese Methode ist sehr einfach und sicher. Andere Methoden neigen zur Schimmelbildung oder sind aufwändiger in der Pflege.

Diabetes?

Leider hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Lemminge kein Obst zu sich nehmen dürfen bzw. wenn sie davon fressen, an Diabetes erkranken. Bisher gibt es keine gesicherten Belege dafür, dass Steppenlemminge zu Diabetes neigen. Bis vor einiger Zeit dachte man, dass Obst beim Menschen die Entstehung von Diabetes begünstigt, dieser Glaube wurde auf die Ernährung von Nagern übertragen. Heute weiß man, dass der regelmäßige Konsum von Obst sogar das Diabetesrisiko um 70% senkt.

Geeignetes gekauftes Trockenfutter

  • ZooDi® Lagurus Lemmingfutter
  • JR-Farm Lemming-Schmaus
  • Fertigmischung f. Lemminge von mixing-your-petfood.de
  • Weitere Vorschläge erwünscht.

Empfehlungen für das Mischverhältnis

Ralf Sistermann

70% Wellensittichfutter

20% Kanarienfutter ohne Rübsen

10 % Sesam

 

 

Expedition Lemmingfutter

22% Wurzeln 22%

40% Kräuter

36% Sämereien

2% Insekten/Larven

 

Christine Wilde

300 g Wellensittichfutter oder Hirse und Sämereien

100 g Kräuter-und Ölsamen

200 g Trockengrünfutter

100 g Trockengemüse

50 g Getreide

50 g Nüsse, Kerne, Johannisbrot

50 g Eiweisfutter

 

 

Unsere Empfehlung

 

Saaten

70% Wellensittich-/Kanarienfutter

20% Grassamen

7% Ölsaaten

 

Tierisches Eiweiß

3% getr. Insekten

 

Sonstige Beigaben (nicht nötig bei artgerechter Grünfütterung und je nach Lemming wird nicht alles gefressen)

Getrocknetes Gemüse

Getrocknete Kräuter Mischung

Getr. Wurzeln

Ölsaaten

Amaranth, Anis, Blaumohn, Brennnesselsamen, Chiasamen, Dari, Distelsamen, Fenchelsamen, Hanfsamen, Kardisaat, (Schwarz)Kümmel, Kürbiskerne, Leinsamen (Gelb/braun), Mariendistel, Milo, Nachtkerze, Negersaat, Perilla, Rübsen, Raps, Salatsamen, Sesam, Sonnenblumenkerne, Tannensamen, Zichorie, Zypressensamen

 

Mehlsaaten

Buchweizen, Dari, Dinkel, Gerste, Grassamen alle Sorten, Hafer, Hirse alle Sorten, Knaulgras, Mais(kolben),

Milo, Paddyreis, Quinoa, Reis, Spitzsaat

Heu & Trockenkräuter

Heu darf in keinem Lemminggehege fehlen und sollte als Nistmaterial und Gang-Gerüst in die Einstreu eingemischt werden.

Trockenkräuter mögen viele Lemminge nicht, ein abwechslungsreiches Grünfutterangebot macht sie des Weiteren überflüssig.

 

Wasser

Viele Halter sind leider immer noch davon überzeugt, dass Lemminge kein Wasser benötigen. Zwar decken die meisten Lemminge ihren Hauptbedarf an Wasser über das durchgehend zur Verfügung stehende Frischfutter, trotzdem haben sie jedoch gelegentlich Durst. Bieten Sie Ihren Lemmingen rund um die Uhr Wasser in einem Schälchen an. Eine Nippeltränke ist weniger gut geeignet, da sich in den schlecht zu reinigenden Röhrchen Keime absetzen, nur immer wenig Wasser herauskommt und die Lemminge nicht auf natürliche Art trinken können. Es sind schon Nager vor der vollen Flasche verdurstet, weil das Röhrchen verstopft war, ohne das es aufgefallen ist. Das Schälchen sollte

  • aus Keramik bestehen, damit es nicht umgeworfen wird, und
  • standsicher sein (nach innen gebogener Rand).
  • Am besten platziert ist es auf einer Etage, einem Stein oder einem Häuschendach, damit es nicht eingebuddelt wird.

Tierisches Eiweis

In der Natur fressen Lemminge kleine Mengen tierisches Eiweiß. Getrocknete Komponenten können durchgängig angeboten werden, lebende Mehlwürmer nur zum sofortigen Verzehr, damit sie sich nicht im Gehege ansiedeln. Geeignet für die Verfütterung in der Heimtierhaltung sind getrocknete Insekten (JR FARM Eiweiß-Cocktail , Mucki Protein-Mix etc.), Mehlwürmer (lebend oder getrocknet aus der Reptilienabteilung) oder andere Klein-Insekten wie sie günstig in der Reptilienabteilung z.B. für Wasserschildkröten angeboten werden. Ebenfalls geeignet ist Magerquark, Magerjogurt und Hüttenkäse, allerdings sind diese Milchprodukte nicht besonders naturnah. Andere Milchprodukte lösen oft Verdauungsprobleme aus, da sie viel Lactose enthalten. Völlig ungeeignet sind Katzen- und Hundeleckerlis und Eifutter für Vögel, denn sie können auf Grund ihrer Zusammensetzung (Zucker etc.) starke, oft sogar tödliche Verdauungsprobleme auslösen.

Erhöhter Bedarf besteht bei Jungtieren (Wachstum), trächtigen und laktierenden Lemmingen.

Leckerlis und Nahrungsergänzungsmittel

Die meisten Leckerlis aus dem Zoohandel sind sehr ungesund für Lemminge. Geeignet sind in kleinen Mengen Nüsse, Kerne, Eiweisfutter und Trockenfrüchte. Besonders gerne wird Kolbenhirse beknabbert.

Eine Ergänzung der Ernährung mit Salzlecksteinen, Kalksteinen oder Vitaminpräparaten ist nicht sinnvoll. Vitaminpräparate sind ausschließlich für kranke Tiere oder solche mit Mängeln nötig und können bei gesunden, ausgewogen ernährten Lemmingen mehr schaden als nutzen (Überdosierung).

 

Die Achtung vor der Eigenart des Tieres ist die Grundlage für eine Freundschaft mit ihm.

Alfred Buckowitz

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